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Forschungsdatenmanagement in der Veterinärmedizin

Diese Seite widmet sich der Veterinärmedizin. Es existiert auch eine Seite zur Humanmedizin.

In der Veterinärmedizin fallen sehr unterschiedliche Forschungsdaten an, beispielsweise Proteindaten, Genomdaten, Zellwachstumsdaten, Expressionsdaten zellulärer Strukturen, Mikroskopie- und Röntgenbilder, Tierseuchen-Daten oder Fragebögen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) stellt keine dezidiert fachspezifischen Richtlinien zum Umgang mit Forschungsdaten in der Veterinärmedizin zur Verfügung, somit gilt für den Fachbereich die allgemeine DFG-Checkliste für Forschungsdaten als Richtlinie. Aktuell widmet sich die veterinärmedizinische Forschung beispielsweise der Erforschung von Verhaltens- und Stressreaktionen zum Verständnis von - und zur Verbesserung von Modellen für - Infektionskrankheiten bei Tieren. Außerdem forschen Graduiertenkollegs an der FU Berlin zur ganzheitlichen Betrachtung von bodenübertragenen Helminthen. Darüber hinaus laufen an Veterinärmedizinischen Fakultäten in Deutschland diverse klinische Studien zu chronischen Erkrankungen bei Hunden und Katzen, die dem grundlegenden Verständnis dieser Krankheiten sowie der Entwicklung verbesserter Therapien dienen.

Die Vielfalt dieser Forschungsthemen eint die Notwendigkeit, Forschungsdaten verantwortungsbewusst, nachhaltig, strukturiert und effizient zu managen. Vor diesem Hintergrund ist die deutsche Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) in Konsortien organisiert und kann Ihnen Unterstützung bei verschiedenen Themen zum Forschungsdatenmanagement (FDM) bieten. Für die Veterinärmedizin gibt es kein eigenständiges NFDI-Konsortium, aber ausgewählte Konsortien der Lebenswissenschaften, z. B.

bieten Ihnen Spezialwissen zu verschiedenen FDM-Themen und zeichnen sich durch Ihre Expert*innen-unterstützten Helpdesks aus.

Im Weiteren stellen wir Ihnen Angebote und Services im Bereich des veterinärmedizinischen Forschungsdatenmanagements vor. Ihnen fehlt ein Angebot? Sie finden Zusammenhänge nicht ganz richtig dargestellt oder haben Fragen? Wir freuen uns auf Ihre Mail.

Informieren und Planen

In der veterinärmedizinischen Forschung sind externe Daten und Ressourcen wichtige Grundpfeiler der Grundlagenforschung sowie der Nutztier- und Versorgungsforschung.

Forschungsdaten und Tiergesundheitsdaten sind nicht selten über Ländergrenzen hinweg relevant und müssen oft in Zusammenschau mit der Humanmedizin betrachtet werden. Die folgenden Portale stellen Ressourcen für die Forschung in Form von biologischen Materialien, Klassifizierungen oder aktuellen Daten über Tierseuchen und -gesundheit sowie externe Forschungsdaten dar.

  • Die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen verfügt über eine sehr umfangreiche standardisierte Sammlung, die für Forschungszwecke bereitgestellt wird.
  • Das European Centre for Disease Prevention and Control bietet u. a. aktuelle Informationen zu Zoonosen, Trainingsprogrammen und Konferenzen.
  • Das Friedrich Löffler Institut (FLI) listet Aktuelles zu Tiererkrankungen, die FLI Biobank (Zellen, Viren), eine Liste von Referenzlaboren für Tierseuchen, eine Genbank für Nutztiere sowie eine Methodensammlung für Labordiagnostika.
  • OpenAgrar ist der Publikationsserver des FLI, des Thünen Instituts und weiterer bundesministerialer Institute. Er verzeichnet mehr als 600 Einträge für primäre und prozessierte Forschungsdaten.
  • Das von NFDI4Microbiota unterstützte Tool StrainInfo stellt eineindeutige Identifikatoren für Mikroorganismen bereit.
  • Der Agraratlas des Thünen Instituts bietet flächendeckende Atlanten, die u. a. die Nutztierhaltung in Deutschland auf Gemeindeebene darstellen.

Angebote hinsichtlich dezidierter Unterstützung beim Management Ihrer Forschungsdaten sind abhängig von Ihrem konkreten Forschungsfeld an verschiedenen Stellen verfügbar. Das Serviceportal GFBio für biologische und ökologische Daten unterstützt Sie bei der Erstellung von Datenmanagementplänen, der Datenvisualisierung und beim Finden von Daten aus Katalogen von Museen, Botanischen Gärten, Mikroorganismen und Zellkulturen.

Die rechtzeitige Beantragung bzw. Anzeige von Tierversuchen, deren sorgfältige Dokumentation, die Aufbewahrung der erhobenen Daten sowie Meldepflichten im Zusammenhang mit Genehmigungen sind ebenfalls Bestandteile des Forschungsdatenmanagements. Die rechtliche Grundlage hierfür bildet die Tierschutz-Versuchstierordnung. Zuständig sind die Länder, in Sachsen ist z. B. die Landesdirektion Sachsen für Inneres, Soziales und Gesundheit für dieses Thema verantwortlich. An Universitäten gibt es in der Regel Tierschutzbeauftragte, diese fungieren als erste Ansprechpartner*innen.

Veröffentlichen und Archivieren

Die Publikation primärer und prozessierter Forschungsdaten, die zur Erstellung und Interpretation von Fachartikeln geführt haben, ist Teil der Umsetzung der Grundsätze Guter Wissenschaftlicher Praxis und damit für veterinärmedizinische Daten wünschenswert. Aktuell ist das Publizieren veterinärmedinischer Forschungsdaten als Supplement einer Textpublikation die gängigste Veröffentlichungsform von in Deutschland generierten veterinärmedizinischen Forschungsarbeiten. Die eigenständige Veröffentlichung primärer Forschungsdaten in Repositorien mit Verweis in komplementären Publikationen (Data availability statement) ist bisher in der universitären veterinärmedizinischen Forschung Deutschlands nicht weit verbreitet, obwohl dies den Anforderungen eines FAIRen, transparenten und förder-konformen Datenmanagements am besten gerecht wird.

Für den Fachbereich Veterinärmedizin stehen keine im engeren Sinne fachspezifischen Repositorien zur Verfügung. Die Auswahl eines Repositoriums kann daher unter verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen, z. B. nach Datentyp. Beispielhaft sind untenstehend Repositorien für häufig vorkommende veterinärmedizinische Datentypen benannt:

Repositorien, die fachübergreifend Forschungsdaten publizieren, teilweise mit einem technischen und/oder inhaltlichem Review (Datenkuration), sind beispielsweise:

  • Figshare - individuelle Dateneinreichung oder direkte Übertragung von Daten aus Partnerjournalen (z. B. Springer Nature), keine Datenkuration
  • Dryad - individuelle Dateneinreichung, geringes Entgelt zu entrichten, Daten werden kuratiert
  • Zenodo - individuelle Dateneinreichung, keine Datenkuration

Steht an Ihrer Einrichtung ein institutionelles, fachübergreifendes Datenrepositorium zur Verfügung, wie beispielweise Open Data an der LMU in München oder OPARA für einige sächsische Hochschulen, so bieten diese in der Regel ebenfalls die Möglichkeit, Forschungsdaten zu veröffentlichen. Es empfiehlt sich allerdings, wo immer plausibel, zunächst einschlägige (z. B. datentypspezifische) Repositorien zu nutzen; diese sorgen durch umfangreiche Kontextinformationen in Metadatenfeldern generell für eine erhöhte Auffindbarkeit Ihrer Daten. Das Friedrich Löffler Institut und weitere Partnerinstitute betreiben ein institutionelles Repositorium namens OpenAgrar in dem Sie zahlreiche primäre Forschungsdaten finden und bei entsprechender Zugehörigkeit dort publizieren können. Forschende an der Veterinärmedizinischen Universität Wien publizieren primäre Forschungsdaten zunehmend im institutionellen Repositorium Phaidra.

Eine Verteilung primärer Forschungsdaten auf verschiedene Repositorien nach Typ/Umfang kann durchaus sinnvoll sein. Auch ist es häufig möglich, über institutionelle Repositorien oder Datenarchive Forschungsdaten mit beschränktem nutzerspezifischem Zugang (langzeit)zu archivieren, ohne diese gleichzeitig zu publizieren. Dies könnte beispielsweise bei datenschutzrelevanten Daten relevant sein, für die keine Einwilligung des Tierbesitzers vorliegt.

Die Veröffentlichung primärer Forschungsdaten kann auch unabhängig von einem wissenschaftlichen Artikel als eigenständiger Datensatz oder in Verknüpfung mit einem Datenpaper (interpretationsfreie detaillierte Beschreibung eines meist umfänglichen Datensatzes) erfolgen. Datenpaper können in sogenannten Datenjournalen wie Scientific Data veröffentlicht werden, wobei die primären Daten in Repositorien veröffentlicht und archiviert sind. Letztere Veröffentlichungsform ist in der veterinärmedizinischen Forschung teilweise unter deutscher Beteiligung vor allem im internationalen Kontext gut etabliert, wie diese Beispiele verdeutlichen.

Weiterführende Literatur

Informationen zu weiteren Teilaspekten Ihres Forschungsdatenmanagements finden Sie in der Sektion FDM Allgemein, diese werden dort fachübergreifend dargestellt.

Empfehlungen zum Umgang mit Forschungsdaten – ausgewählter Institute bzw. Universitäten:


Zitiervorschlag (Chicago)

Redaktion von forschungsdaten.info. „Forschungsdatenmanagement in der Veterinärmedizin“. forschungsdaten.info, 04. Mai 2026. https://forschungsdaten.info/fdm-nach-disziplinen/veterinaermedizin