Forschungsdatenmanagement in den Kulturwissenschaften
Die Seite Kulturwissenschaften umfasst Informationen zu Forschungsdaten im Bereich materieller und immaterieller Kulturgüter aus den Architektur-, Kunst-, Musik-, Theater-, Film- und Medienwissenschaften sowie zu Forschungsdaten aus der Kulturanthropologie. Diese Disziplinen sind durch eine starke Diversität ihrer Methoden und Forschungsdaten gekennzeichnet.
In den Kulturwissenschaften entstehen Forschungsdaten bei der Sammlung, Erfassung, Erhebung, Erschließung und Analyse von Quellen und Daten. Es handelt sich dabei sowohl um digitale als auch digitalisierte Datensätze, die materielle und immaterielle Kulturgüter repräsentieren. Daten, die Bestände von Bibliotheken, Archiven, Museen und Denkmalfachämtern erschließen, werden dabei mit eingeschlossen. Daraus resultiert eine große Diversität unterschiedlicher Medientypen, wie Film, Video, Audiomaterial, Musiknotation, Buch- und Kunstdrucke, Digitalisate bildender Kunst, Handschriften, Interviews, Fotos, Objektdateien, Software, 3D-Modelle und viele mehr. Dieses breite Spektrum umfasst nicht nur kuratierte Bestände kultureller Institutionen, sondern schließt auch Daten aus den empirischen und ethnografischen Kulturwissenschaften ein. Dort werden Daten überwiegend mit qualitativen Methoden erhoben (ethnografische Verfahren der Feldforschung, Einzel- und Gruppeninterviews, historische Quellen etc.).
Die Kulturwissenschaften arbeiten mit sehr heterogenem Material und fachspezifisch unterschiedlich ausgeprägten Metadaten. Die dabei verwendeten digitalen Methoden umfassen hybride (im Sinne von analog und digital), nicht miteinander integrierte Software und technische Umgebungen, was die effektive Verwaltung, Archivierung und Nachnutzung der entstehenden Forschungsdaten erheblich erschwert.
Wichtiger Ansprechpartner für sämtliche Aspekte zum Forschungsdatenmanagement (FDM) in den Kulturwissenschaften ist das Konsortium NFDI4Culture. Für die Kulturanthropologie bzw. ethnografische Kulturwissenschaft bietet sich insbesondere eine Kontaktaufnahme zum FID Sozial- und Kulturanthropologie an. Das Datenkompetenzzentrum HERMES bietet zudem Unterstützung bei der Aus-, Weiter- und Fortbildung im Bereich der kulturwissenschaftlichen Forschung und Lehre sowie in Kulturerbe-Einrichtungen (GLAM: Galleries, Libraries, Archives and Museums). In der HERMES-Expertbase kann direkt nach Ansprechpartner*innen zu bestimmten Themen und Methoden gesucht werden. Im Bereich Universitätssammlungen bietet das Datenkompetenzzentrum SODa Unterstützung zur (Weiter-)Entwicklung von Datenkompetenzen.
Im Weiteren stellen wir Ihnen Angebote und Services im Bereich des kulturwissenschaftsbezogenen Forschungsdatenmanagements vor. Ihnen fehlt ein Angebot? Sie finden Zusammenhänge nicht ganz richtig dargestellt oder haben Fragen? Wir freuen uns auf Ihre Mail.
Aufgrund der bereits angesprochenen Methodenvielfalt in der heutigen kulturwissenschaftlichen Forschung kann hier nicht auf jede Arbeitspraxis und ihre spezifischen Datentypen einzeln eingegangen werden. Je nach Methode kann hier auf Ressourcen verwandter Disziplinen zurückgegriffen werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Sektion FDM nach Disziplinen.
Informieren und Planen
Für die Kulturwissenschaften insgesamt hat die DFG bisher keine fachspezifischen Empfehlungen veröffentlicht; es gibt jedoch eine Handreichung für die Sozial- und Kulturanthropologie. Welche Empfehlungen und Standards gelten, hängt von der Fachdomäne im Umgang mit der jeweiligen Materialart und der Art der zu erzeugenden Daten ab. Als Beispiel seien hier die DFG-Praxisregeln „Digitalisierung“ (in der aktualisierten Fassung von 2022) genannt – eine seit vielen Jahren anerkannte und bewährte Good-Practice-Empfehlung zur Qualitätssicherung mithilfe von Standards für Digitalisierungsprojekte. Datenproduzierende sollten grundsätzlich für die Fragestellung angemessene Standards sondieren, auch wenn diese noch nicht verbreitet sind, sofern sie gleichzeitig großes Potential für die Interoperabilität und Wiederverwendbarkeit der Daten bieten.
Die NFDI4Culture-Handreichung für ein FAIRes Management kulturwissenschaftlicher Forschungsdaten bietet ausführliche Hinweise dazu, mit welchen Standards kulturwissenschaftliche Metadaten FAIR aufbereitet werden können.
Das NFDI4Culture-Konsortium bietet über den NFDI4Culture-Helpdesk Beratung zu allen Aspekten des Forschungsdatenmanagements, von der Digitalisierung bis zur Publikation. Für eine Unterstützung neuer Projekte durch Letters of Intent und Beratung hinsichtlich Fördermöglichkeiten bietet sich der Culture Kickstarter an. Auch das Datenkompetenzzentrum SODa bietet einen Helpdesk an. In der Expertbase des Datenkompetenzzentrums HERMES können Interessierte nach Personen mit spezifischer Expertise für ihre Fragestellung suchen.
In der NFDI4Culture Knowledge Base finden sich Handreichungen und Empfehlungen zu den verschiedenen Phasen des Datenlebenszyklus. Die NFDI4Culture Registry wiederum bietet einen Überblick sowie detaillierte Informationen zu geeigneter Software und Datendiensten im Bereich der kulturwissenschaftlichen Forschung. Das Datenkompetenzzentrum SoDa bietet ebenso eine Knowledge Base, insbesondere mit Informationen in Bezug auf wissenschaftliche Sammlungen und Objektdaten.
Für die ethnografische Forschung bietet die Plattform Data Affairs, die im SFB 1171 „Affective Societies“ entstanden ist, einen Überblick zum FDM speziell bei der Arbeit mit qualitativen Daten in der ethnografischen Forschung.
Des Weiteren sind NFDI4Culture-Barcamps und NFDI4Culture-Hackathons geeignet, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und Gleichgesinnte für neue Initiativen zu finden.
Die RDMO-Instanz von NFDI4Culture bietet Forschenden die Möglichkeit, Datenmanagementpläne für ihre Forschung anzulegen und zu pflegen. Des Weiteren wurden in NFDI4Culture zwei Kataloge entwickelt, die Museen und Sammlungen dabei unterstützen, die am besten geeignete Software für die Verwaltung ihrer Sammlungen auszuwählen. Diese Templates können auch in andere RDMO-Instanzen integriert werden.
Daten erfassen, dokumentieren und analysieren
Bei der Erstellung eines Datenmodells zu den Gegenständen Ihres Forschungsprojekts sollten sich Forschende am CIDOC Conceptual Reference Model (CIDOC-CRM) orientieren. Dieser ISO-Standard ist Grundlage für die Interoperabilität von Daten im Kulturerbe-Bereich. Spezifischer sei hier auch die im Rahmen von NFDI4Objects entwickelte und auf CIDOC-CRM basierende Objektontologie zur Modellierung der Objektbiografie genannt.
Auf der CIDOC-CRM-Basis können Forschungsdaten strukturiert erfasst, beschrieben und miteinander verknüpft werden. Für die praktische Umsetzung solcher semantischer Datenmodelle steht beispielsweise die Forschungsumgebung WissKI zur Verfügung. WissKI ermöglicht die modellbasierte Erfassung, Verwaltung und Präsentation komplexer kulturwissenschaftlicher Datenbestände und unterstützt insbesondere die Arbeit mit Ontologien wie dem CIDOC-CRM. Für kollaborative semantische Modellierungen und Datenbearbeitungen entsteht zudem der SODa Semantic Coworking Space (SCS), der Forschenden eine gemeinsame Arbeitsumgebung für Linked-Data-basierte Forschungsdaten bietet.
Auch für die Analyse und Weiterverarbeitung kulturwissenschaftsbezogener Daten stehen verschiedene Werkzeuge bereit. Workflow-basierte Analysen können etwa mit Galaxy umgesetzt werden, das im Bereich der Digital Humanities zunehmend eingesetzt wird. Darüber hinaus bieten Forschungsinfrastrukturen wie DARIAH-DE und CLARIN umfangreiche Dienste und Werkzeuge für die Verarbeitung, Analyse und Nachnutzung geisteswissenschaftlicher Daten (siehe Abschnitt Speichern und Rechnen).
Eine zentrale Rolle spielt zudem die semantische Vernetzung von Forschungsdaten. Der Culture Knowledge Graph verfolgt das Ziel, eine Verbindung zwischen allen Forschungsdaten aus den NFDI4Culture-Fachgebieten herzustellen und so neue Formen der Exploration und Nachnutzung zu ermöglichen. Für spezielle Medientypen existieren darüber hinaus spezialisierte Werkzeuge, wie Semantic Kompakkt zur Betrachtung und Anreicherung von 3D-Modellen und visuellen Medien in einer Linked-Open-Data-Umgebung.
Zur Verwaltung und Veröffentlichung semantischer Daten können Plattformen wie Wikibase in Form der Initiative Wikibase4Research eingesetzt werden. Sie ermöglichen die strukturierte Speicherung, Visualisierung sowie das Teilen von Linked Open Data in Forschungsprojekten. Für die inhaltliche Anreicherung von Daten steht außerdem der Dienst ANTELOPE zur Verfügung, der Funktionen zur Terminologiesuche, Annotation und zum Entity-Linking bereitstellt.
Die Qualität und Nachnutzbarkeit der erzeugten Daten kann abschließend mit dem Werkzeug FAIR Check von NFDI4Culture überprüft werden, das Forschende dabei unterstützt zu evaluieren, inwieweit ihre Daten den FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) entsprechen.
Weitere Hinweise zur praktischen Umsetzung finden sich in den NFDI4Culture-Empfehlungen zu Dateiformaten, Rahmenwerken und Referenzmodellen, Metadatenstandards sowie zu Vokabularen, Normdaten und Anwendungsontologien. Diese bieten Orientierung für eine nachhaltige und interoperable Gestaltung kulturwissenschaftlicher Forschungsdaten.
In der Music Encoding Initiative (MEI) arbeiten Fachleute aus Musikwissenschaft, Technik und Bibliothekswesen gemeinsam an einem Open-Source-System zur Kodierung musikalischer Dokumente in einer maschinenlesbaren Struktur.
MerMEId (Metadata Editor and Repository for MEI Data) ist ein Open-Source-System, mit dem musikbezogene Metadaten auf Basis des MEI-Schemas verarbeitet und angezeigt werden können.
Die Werkzeuge auf SINES (Space for Interdisciplinary Experiments on Sound) Tools for Data Acquisition and Empirical Research werden vom Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien unter einer offenen Lizenz bereitgestellt.
Zur Beschreibung ethnografischer Forschungsdaten existieren bisher noch keine etablierten Metadadatenstandards. International anerkannt sind das Metadatenschema der Data Documentation Initiative (DDI) für die Sozialwissenschaften allgemein sowie der Metadatenstandard der Ethno Working Group des International Committee for Documentation (CIDOC) für Museumsobjekte. Durch die Initiative Traditional Knowledge Labels wurde mit First Nations und indigenen Gemeinschaften Vorschläge für die Auszeichnung von Materialien des kulturellen Erbes erarbeitet.
Speichern und Rechnen
HPC-Service für Kulturwissenschaften
Auf nationaler Ebene in Deutschland existiert für High Performance Computing (HPC) der Verbund für Nationales Hochleistungsrechnen (NHR). Im NHR-Verbund werden Ressourcen und Kompetenzen des universitären Hochleistungsrechnens gebündelt und Wissenschaftler*innen deutscher Hochschulen kostenlos zur Verfügung gestellt. Der NHR-Verbund stellt Rechenkapazitäten bereit und unterstützt die Nutzer*innen durch Beratungen und Schulungen beim Einsatz von Hochleistungsrechnen in ihren jeweiligen Anwendungsgebieten. Die Angebote sind thematisch breit gefächert und überregional nutzbar.
Im Rahmen der nationalen HPC-Strategie hat jedes Zentrum spezialisierte Forschungs‑ und Anwendungsfelder. Im Bereich der Digital Humanities ist dies NHR-NORD@Göttingen. Die GWDG als Hochleistungs‑Rechenzentrum zusammen mit der Universität Göttingen als wissenschaftlicher Einrichtung ist Mitglied im NHR-Verbund und bietet kostenlosen Zugang zu modernsten HPC-Ressourcen für Forschende an deutschen Hochschulen.
Speichermöglichkeiten
DARIAH-DE (Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities) stellt der geistes- und kulturwissenschaftlichen Community in Deutschland eine modulare digitale Infrastruktur zur Verfügung. Für Hot Data bietet DARIAH-DE eine Umgebung, in der Daten bereits während der Projektphase systematisch organisiert, dokumentiert und auf eine kooperative Nutzung vorbereitet werden können.
Auf europäischer Ebene bietet CLARIN (Common Language Resources and Technology Infrastructure) eine verteilte Forschungsinfrastruktur für digitale Sprach- und Textressourcen. CLARIN ist als europäisches Konsortium organisiert und vernetzt zertifizierte Daten- und Servicezentren in zahlreichen Mitgliedsländern. Forscher*innen können dort sprach- und textbasierte Daten speichern, bearbeiten und analysieren. Die Infrastruktur unterstützt sowohl die aktive Nutzung im Projektkontext als auch die langfristige Sicherung der Daten.
Veröffentlichen und Archivieren
NFDI4Culture stellt mit RADAR4Culture einen kostenfreien Service zur Publikation und Sicherung kulturwissenschaftlicher Forschungsdaten gemäß den FAIR-Kriterien zur Verfügung. Außerdem gibt eine kuratierte Repositorienliste einen Überblick über fachspezifische und generische Repositorien für die bei NFDI4Culture vereinten Communities.
Mit dem Computational Publishing Service kann im Multiformat (Web, Druck oder hybrid) direkt aus Wikibase4Research Linked Data via Jupyter Notebooks, Quarto und GitLab/GitHub publiziert werden. So können Forschende Aufsätze, Monografien und Webseiten publizieren, die auf Code und Daten zurückgreifen, auf Datenanalysen basieren und Visualisierungen verwenden.
Das Forschungsdatenzentrum Qualiservice erarbeitet in Kooperation mit dem FID Sozial- und Kulturanthropologie Möglichkeiten für die Archivierung und Bereitstellung zur Nachnutzung von Forschungsdaten aus den ethnografisch arbeitenden Kulturwissenschaften. Qualiservice kann Verfahren der Anonymisierung unterstützen und zusätzliche weitere Maßnahmen, wie abgestufte Zugangsbeschränkungen und eine Festlegung von Sperrfristen, anbieten.
Finden und Nachnutzen
Der Einstieg über die Culture Data Search von NFDI4Culture erlaubt es, Forschungsdaten zu entdecken und zu erkunden, die im Culture Knowledge Graph verzeichnet sind. Auch im Repositorium RADAR4Culture, beim Forschungsdatenzentrum Qualiservice (Kulturanthropologie) und in den Repositorien aus der von NFDI4Culture kuratierten Repositorienliste kann nach Forschungsdaten gesucht werden. Des Weiteren bietet die Deutsche Nationalbibliothek ihre bibliografischen Daten und mehrere digitale Objektsammlungen via DNBLab frei zugänglich an. Auch die Österreichische Nationalbibliothek bietet ausgewählte digitale Bestände (Bilder, Volltexte oder Metadaten) via ÖNB Labs an. Die Kataloge und Datenbanken der Schweizerischen Nationalbibliothek NB können ebenso konsultiert werden; eine Auswahl der Daten kann über opendata.swiss heruntergeladen werden.
Allgemein bietet das Verzeichnis re3data einen Überblick über Repositorien sowie eine Suchfunktion mit einer großen Auswahl an Sucheinstellungen, z. B.:
Rechte, Pflichten und Ethik
Bei der Erfassung, Bearbeitung und Publikation von Daten zu materiellem und immateriellem Kulturerbe können sich rechtliche und ethische Fragestellungen ergeben. Diese umfassen unter anderem urheber- und persönlichkeitsrechtliche Aspekte, den Umgang mit Objekten aus Unrechtskontexten sowie die ethischen Herausforderungen mit Web-/KI-Scraping.
Antworten zu Fragen über Urheberrecht und Lizenzierung von Forschungsdaten bietet der NFDI4Culture-Helpdesk.
Das Datenkompetenzzentrum SODa bietet Expertise zu rechtlichen und ethischen Fragestellungen, die sich bei der Digitalisierung universitärer Sammlungen ergeben. Ebenso im Bereich Sammlungen zu beachten: Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten und Leitfaden zum Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen vom Deutschen Museumsbund.
In der ethnografischen Forschung werden Daten als Ergebnis eines dialogischen Prozesses betrachtet, bei dem Forschende und Teilnehmende die Inhalte gemeinsam erzeugen (Ko-Produktion). Diese Herangehensweise macht eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Fragen des Datenschutzes, der Eigentumsrechte sowie der Bedingungen für eine mögliche Weitergabe der Ergebnisse an Dritte unerlässlich. Da die Forschungsumfelder jedoch sehr vielfältig sind, lassen sich keine allgemeingültigen Standards etablieren; stattdessen ist eine ständige, kontextabhängige Reflexion über den Umgang mit den Daten gefordert. In diesem Zusammenhang wird die Einwilligung der Teilnehmenden nicht als einmaliger, formaler Akt, sondern als ein dynamischer, fortlaufender sozialer Prozess verstanden. Daher ist es notwendig, flexiblere oder mehrstufige Modelle der Zustimmung zu entwickeln, die über die gesamte Dauer der Forschung hinweg verhandelt werden.
Das Forschungsdatenzentrum Qualiservice stellt verschiedene Mustervorlagen für die Einwilligung in Forschungsvorhaben selbst, für die Einwilligung zur Archivierung oder zur wissenschaftlichen Nachnutzung zur Verfügung. Auch die Checkliste zur Erstellung von Einwilligungserklärungen und Formulierungsvorschläge u. a. in leichter Sprache vom Verbund ForschungsdatenBildung können hilfreich sein. Fragenkataloge und Checklisten sind allerdings nicht ausreichend, um ethische Fragen abschließend zu klären. Die Verantwortung liegt letztendlich beim Forschenden, der die Angemessenheit von Schutzmaßnahmen und die Abwägung möglicher Risiken nur mit den Akteur*innen im Feld aushandeln kann.
Disziplin-spezifische Initiativen & Netzwerke
Der Arbeitskreis Forschungsdaten der Leibniz Gemeinschaft wurde im Jahr 2009 ins Leben gerufen, um der wachsenden Relevanz von Forschungsdaten gerecht zu werden. Er vereint Vertreter*innen aus Forschungseinrichtungen sowie aus Einrichtungen der Forschungsinfrastruktur. Ziel des Arbeitskreises ist es insbesondere, die mit Forschungsdaten verbundenen Herausforderungen innerhalb der Leibniz-Gemeinschaft durch fachlichen Austausch und Stellungnahmen aktiv zu begleiten. Darüber hinaus bietet der Arbeitskreis den im Forschungsdatenmanagement tätigen Mitarbeitenden der Leibniz-Institute eine Plattform zum Austausch über praktische und alltägliche FDM-Fragestellungen.
Das freie Netzwerk AuDA (Austausch Digital Assets) wurde vom ORC – Open Resource Center der Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe – ins Leben gerufen. AuDA richtet sich in erster Linie an Kunst- und Kulturinstitutionen, steht jedoch grundsätzlich allen interessierten Einrichtungen offen. Zu den derzeitigen Mitgliedern zählen unter anderem Kunst- und Musikhochschulen sowie Museen und Archive. Ziel des Netzwerks ist es, den Wissenstransfer im Bereich Digital Assets – insbesondere in Bezug auf Sammlung, Verwaltung und Archivierung digitaler Medien – zu fördern sowie Best-Practice-Beispiele zu bündeln und zugänglich zu machen.
Der Verband DHd – „Digital Humanities im deutschsprachigen Raum“ – wurde 2013 gegründet und fungiert als Plattform sowie offizielle Interessenvertretung für alle Personen, die sich im deutschsprachigen Raum in Forschung und Lehre im Bereich der Digital Humanities engagieren – unabhängig von ihrer Fachdisziplin. Die AG Geisteswissenschaftliches Forschungsdatenmanagement (gwFDM) fördert den Austausch über Begriffe, Selbstverständnisse, Problemlagen und Aufgaben, bearbeitet gemeinsam offene Forschungsfragen im FDM-Themenfeld und identifiziert blinde Flecken in der Versorgungslandschaft. Die AG organisiert darüber hinaus alle zwei Jahre die Tagung FORGE – Forschungsdaten in den Geisteswissenschaften.
Als Regionalverband ist DHd sowohl mit der European Association of Digital Humanities (EADH) verbunden als auch Mitglied im internationalen Dachverband Alliance of Digital Humanities Organizations (ADHO).
Die Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland setzt sich dafür ein, wissenschaftliche Sammlungen an Universitäten und Hochschulen als Ressourcen für Forschung, Lehre und Transfer sichtbar, zugänglich und nutzbar zu machen und hält dafür unterstützende Handreichungen und Materialien sowie ein Wiki zur Digitalisierung wissenschaftlicher Sammlungen vor.
Die Deutsche Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaften hat sich 2023 in einem Positionspapier mit dem Forschungsdatenmanagement ihres Felds beschäftigt und bringt sich in die relevanten Geistes- und Kulturwissenschaftlichen NFDI-Konsortien ein.
Der Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte widmet sich als offenes Netzwerk dem Ziel, die Anwendung digitaler Methoden und Technologien in der kunstgeschichtlichen Forschung, Lehre und Vermittlung zu reflektieren sowie zu fördern und initiierte NFDI4Culture mit.
Der Virtuelle Forschungsverbund Edirom (ViFE) entstand rund um das Musikwissenschaftliche Seminar Detmold/Paderborn. Seine Mitglieder beschäftigen sich in verschiedenen Projekten mit der Anwendung digitaler Methoden in der Musikwissenschaft. In diesem Rahmen entstanden verschiedene Tools, wie CollAna, ein Digitales Kollationswerkzeug zur vergleichenden Analyse von Musikdrucken, oder MEIGarage, ein Online-Werkzeug zur Konvertierung zwischen verschiedenen Musikcodierungsformaten.
Die 1951 gegründete IAML setzt Projekte in den Bereichen Musikbibliographie, -dokumentation und -bibliothekswissenschaft um und entwickelt Standards für die Katalogisierung und Bewahrung von Musikmaterialien. Spezifische Informationen finden sich auf den jeweiligen Seiten der Ländergruppe Deutschland sowie der Ländergruppe Österreich.
Die 1969 begründete IASA vernetzt Archive aus 70 Ländern, die Tonaufnahmen und audiovisuelle Medien verwalten und zugänglich machen. Spezifische Informationen finden sich auf der Seite der Ländergruppe Deutschland/Schweiz sowie für die Ländergruppe Österreich auf Medien Archive Austria (MAA).
Die Übersicht zu FIDs in den Geisteswissenschaften bietet einen guten Einstiegspunkt für relevante FIDs und deren FDM-Angebote. Insbesondere folgende FIDs sind für die Kulturwissenschaften interessant:
- Darstellende Kunst
- Kommunikations- und Medienwissenschaft
- Kunst Fotografie, Design
- Musikwissenschaft
- Sozial- und Kulturanthropologie
Schulungsmaterialien
- Educational Resource Finder von NFDI4Culture: generische und fachspezifische Aus- und Weiterbildungsangebote, die sich an die NFDI4Culture-Communities richten
- Die Resourcebase von HERMES ist ein Verzeichnis für Open Educational Resources zum Bereich der digitalen Geistes- und Kulturwissenschaften
- Data Carpentries Lektion: Sarkar Farshi, G. (2026, März 2). Introduction to Data Analysis Basics with Python for the Humanities. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18837669.
- Data Carpentries-Lektion: Stanicka-Brzezicka, K., & Berg, C. (2025, Mai 6). Data and Metadata in the Humanities: Structures, Schemas, and Standards. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.15349835.
- Data Carpentries-Lektion: Zwick, R., & Tolksdorf, J. (2025, Juli 22). Relational Databases with NocoDB in the humanities. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.16318582.
Weiterführende Literatur
Materialien von NFDI4Culture, wie Präsentationen, Positionspapiere finden sich in der NFDI4Culture-Zenodo-Community
Handreichung: Kulturwissenschaftliche Forschungsdaten – eine Einführung.
Autor*innen: Martin Albrecht-Hohmeier, Katharina Bergmann, Christoph Eggersglüß, Andrea Polywka, Alexander Stark
Erscheinungsjahr: 2022
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Handreichung: Handreichung für ein FAIRes Management kulturwissenschaftlicher Forschungsdaten
Autorin: Angela Kailus
Erscheinungsjahr: 2023
Link zum Dokument
Handreichung: Basics of digital preservation. A guideline to digital preservation from the perspective of the NFDI4Culture community
Autor*innen: Jörg Heseler, Alexandra Büttner, Matthias Arnold
Erscheinungsjahr: 2024
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Papier: Forschungsdatenmanagement in der ethnografischen Forschung: Eine praktische Einführung
Autor*innen: Sabine Imeri, Martina Klausner, Michaela Rizzolli
Erscheinungsjahr: 2023
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Zitiervorschlag (Chicago)
Redaktion von forschungsdaten.info. “Forschungsdatenmanagement in den Kulturwissenschaften”. forschungsdaten.info, 15. September 2026. https://forschungsdaten.info/fdm-nach-disziplinen/kulturwissenschaften