Deutsche Forschungsgemeinschaft: Zur Resilienz von Forschungsdateninfrastrukturen
Ad-hoc-AG beschreibt Risiken und formuliert Empfehlungen an Forscher*innen, Fachgesellschaften und Wissenschaftspolitik für gemeinsames Handeln
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat Empfehlungen zur Resilienz von Forschungsdateninfrastrukturen veröffentlicht. Aus der Veröffentlichung:
Für eine Stärkung der „Infrastrukturellen Resilienz“ appelliert die AG an Forscher*innen, wissenschaftliche Fachgesellschaften und Wissenschaftspolitik, sich die nachstehenden Empfehlungen zu eigen zu machen:
1. Wissenschaftler*innen und Fachgesellschaften sollten gemeinsam agieren.
- Wissenschaftler*innen sollten adäquat mit ihren eigenen Forschungsdaten umgehen, indem sie disziplinspezifische Standards zur Beschreibung der Daten sowie überregionale Infrastrukturen für deren qualitätsgesicherte Archivierung und Kuratierung nutzen und so die Anschlussfähigkeit von Datenbeständen in geeigneter Weise sichern helfen.
- Mit dem reflektierten Einsatz von Open-Source-Produkten europäischer Herkunft können Forscher*innen selbst dazu beitragen, die Abhängigkeiten von kommerziellen Produkten zu reduzieren und so zu einer umfassenderen digitalen Souveränität zu kommen.
- Wissenschaftliche Fachgesellschaften und Fachverbände sollten Allianzen bilden, um in engem Austausch auch mit den europäischen Pendants in Bezug auf Fragen zu Abhängigkeiten und Gefährdungen der für das jeweilige Fach relevanten Datenbestände und -infrastrukturen sprechfähig zu werden.
- Fachgesellschaften und Fachverbände sollten sich auch mit den fachlich einschlägigen Infrastruktureinrichtungen eng abstimmen, um gegebenenfalls konkrete Maßnahmen zum Aufbau einer resilienten Dateninfrastruktur zu definieren.
2. Forschungseinrichtungen und die Wissenschaftspolitik sollten Infrastrukturen auf Dauer sichern.
- Die Finanzierung der Forschungsdateninfrastruktur sollte in zentralen Bereichen als Teil der Daseinsvorsorge und damit als nationale Kernaufgabe begriffen werden, die nicht ausschließlich privaten oder wettbewerblichen Akteuren überlassen werden darf.
- Es bedarf daher einer dauerhaften Finanzierung für resiliente, langfristig angelegte europäische/internationale Dateninfrastrukturen.
- Ein erster Schritt hin zu resilienten Dateninfrastrukturen sollte die Verstetigung bereits aufgesetzter Maßnahmen (zum Beispiel der Förderinitiative für die Sicherung gefährdeter Datenbestände und zur Datenresilienz) sein.
- Die Finanzierung einer resilienten Dateninfrastruktur sollte weder auf eine einzige Förderorganisation noch auf einen einzelnen europäischen Nationalstaat konzentriert werden. Es müssen tragfähige Modelle für die kooperative, insbesondere länderübergreifende (europäische und internationale) Finanzierung einer resilienten Dateninfrastruktur ausgearbeitet werden. In diesem Sinne sollte nicht nur das BMFTR, sondern auch andere Ressorts und nach Möglichkeit ebenso weitere Akteure wie etwa private Stiftungen zur Finanzierung einer resilienten Dateninfrastruktur beitragen.
- Dateninfrastrukturen können ihre Funktion für Wissenschaft und Gesellschaft nur erfüllen, wenn Personal mit besonderer Expertise im Softwareengineering, in der Datenkuratierung und in der IT-Administration dauerhaft zur Verfügung steht.
- Die Entwicklung eigener Karrierepfade im Infrastrukturbereich ist auch deshalb weiter zu forcieren, um der drohenden Abwanderung von hoch qualifiziertem Personal aus der Wissenschaft in die Industrie zu begegnen.